Du bist

Wunderbar

Soviel wohnt in dir

Ein überfließender Ozean, den du für dich behältst

Für den Moment

Teilst du ihn mit mir

Aber du könntest ihn mit allen teilen, wenn du wolltest

Ich hoffe du willst, eines Tages

Bereits mehr als mutig benetzt du mich mit deinen Wellen

Ohne meine Reaktion zu kennen

Für den Moment lächle ich

Du könntest verletzt werden oder dich im Netz verfangen

Ich bekomme einen Einblick deiner Präsenz

Wissend was du bekommen könntest, das du bereits bist

Du bist

Ein Geschenk

Für mich, für die Welt

Deine Existenz ist bereits genug

Du bist wertvoll

Du bist

Ein Gefühl mit der brennenden Sehnsucht sich zu befreien

Ein Geheimnis, das geteilt werden möchte

Eine Geschichte, die erzählt werden möchte

Eine Geschichte, die sich entfalten möchte

Du möchtest dich ausbreiten

Entwickeln

Lieben

 

(deutsche Übersetzung von "You are")

 



Spiegel

Du bist wie die Sonne. Wenn du strahlst, strahle auch ich.
Du bist wie der Mond. Wenn du aufgehst, öffnet sich mein Herz.
Du bist in allen Dingen. Du bist in der Welt. Du bist in mir.
Man könnte sagen, du bist ich und ich bin du.
Man könnte sagen, wir alle sind eines und es gibt keine Grenzen.
Man könnte schweigen und alles wäre bereits gesagt.

 


Ich liebe

 

Ich liebe einen Mann.

Ich liebe alles an ihm.

Seine Worte, seine Gedanken. 

Ich liebe den Raum zwischen dem, was er denkt und sagt, sagt und denkt.

Ich liebe die Präsenz zwischen den Zeilen, die im Verborgenen liegen.

Ich liebe seine Stimme und die Wärme, die darin liegt.

Ich liebe, dass er mich spiegelt. Ich liebe, dass ich mich in ihm spiegle.

Ich liebe, dass wir uns sehen. Das wir uns ansehen und uns durchschauen.

Ich liebe seinen Sinn.

Ich liebe all den Unsinn, den er im Sinn hat. 

Das ist sicher auch in seinem Sinne.

 

Ich liebe sein Geschenk an die Welt und all die Zeit, die er mir widmet.

Ich liebe seine Art zu leben und zu sterben 

und ich liebe auch die Dinge an ihm, die ich nicht zu lieben vermag. 

Ich liebe, wie er mich wahnsinnig macht und spüre den Wahnsinn auch in mir. 

Wahnsinnig wahnsinnig, das alles. Wahnsinn!

Wir sind verbunden, eins. Allein.

Ich liebe, dass wir uns nah und fern sind.

Ich liebe die Distanz und die starke Präsenz meiner eigenen Grenzen. 

 

Ich liebe, dass er mich nicht liebt und dass ich ihn nicht liebe -

nach der Definition von Liebe.

Nehmen wir der Liebe die Definition, lieben wir uns wieder, in aller Innigkeit.

Ich liebe, dass ich ihn nicht besitzen muss.

Seine Freiheit. Meine Freiheit. Unsere geteilte gemeinsame Freiheit.

Ich liebe, dass ich lieben kann.

Was liebe ich dann letztendlich? 

Ich liebe ihn.

Ich liebe mich.

Ich liebe.

Liebe

 


Verlieren und finden

Nach einem tiefen traumlosen Schlaf habe ich jedes Gefühl für Raum und Zeit verloren. Sogar ich selbst bin mir abhanden gekommen. Wer war ich doch gleich und was tue ich eigentlich hier?

Da überkommt es mich, das Lächeln. Egal ob ich noch vor ein paar Stunden den Faden oder sogar den Sinn im Leben verloren habe. So what, dann hat es eben keinen Sinn. Und das ist gar nicht schlimm, sondern befreiend. Jetzt entsteht ein feiner Raum der Leere, der sich ausdehnen möchte.

Ich atme und spüre einen leichten Widerstand in der Brust. Einen kühlen Luftzug an meiner Kehle und es tut irgendwie gut, zu leben. Blut pulsiert in meinen Adern. Ganz behutsam und fein verströmen sie eine angenehme Wärme in mir.  Meine Empfindungen sind sehr subtil und dennoch von klarer, unaussprechlicher Schönheit.

 

Wolken ziehen an meinem Fenster vorbei, einige sind mit schwarzer Nässe vollgesogen, einige sind luftig leicht wie Zuckerwatte. Hell und dunkel, Licht und Schatten. Sie spielen Fangen vor meinem Fenster und ich frage mich, wer gewinnt. Was spiele ich eigentlich hier drinnen für ein Spiel? Ich weiß es nicht mehr. Es spielt keine Rolle mehr, alles ist verrückt. Ich genieße es einfach, zu spüren, dass ich lebe. Das ist alles, nicht mehr, nicht weniger.

 

Ob ich jetzt weine oder lache oder einen seltsamen, emotionslosen Zustand irgendwo dazwischen erlebe, ich lebe. Daraus wächst eine feine Knospe der Liebe und Dankbarkeit. Nicht die Liebe, die so heftig ist, dass man zerspringen mag, nein, viel subtiler und sanfter, wie das Atmen. Ich schaue einfach nur zu. Wolken, Atem. Farben. Ein zarter pastellfarbener Abendhimmel. Schönheit berührt mich mit suchenden Händen. Ein Gefühl der Sehnsucht überkommt mich. Alle Atome in mir beginnen zu schwingen und flüstern zu mir: Du musst nichts tun. Du bist hier, das genügt. Du musst nichts mehr erreichen. Komm nach Hause. Du bist schon Zuhause. Es darf so einfach sein. 

 

Ich seufze. Wie sehr ich dieses Gefühl vermisst habe.

 



Syrinx

 

Die Sonne ist schon halb versunken und die vom Hochwasser überfluteten Bäume wirken surreal auf mich. Ich streife am Flussufer entlang. Mein Lieblingsplatz unter den Kastanien ist überflutet. Ich gehe weiter. 

Flötenklänge dringen in mein Ohr. Eine magische Melodie, die sich stets wiederholt, so als wollte sie mich in ihren Bann ziehen… Vielleicht bin ich wirklich verzaubert, denn ich kann mich ihr nicht entziehen und laufe tiefer in den Wald hinein, auf der Suche nach der Quelle dieses Klangs.

Die Sonne sinkt tiefer und meine Umgebung beginnt mit mir zu verschmelzen. Was glaube ich zu finden, während ich mich immer tiefer in einem sehr dicht bewachsenen Pfad verliere? Zweige schlagen mir entgegen. Der Klang kommt näher, es ist als ob ich transparent werde und jede Note meine Zellen zum Schwingen bringt. 

 

Da sitzt er: Ein Mann auf einem Baumstamm, in sein Flötenspiel vertieft. Nur einen Schritt näher noch. Ein Ast knackt unter meinen Füßen und der Flötenspieler verstummt.

„Sorry, dass ich hier so hereinplatze…“ 

„Ist okay“, sagt er und senkt die Hand, mit dem er vorsichtig sein Instrument umfasst.

„Ich liebe Musik, ich spiele selbst Harfe und singe…“, beginne ich und ringe mit den Worten. In der Musik liegt soviel mehr, als Worte zu transportieren vermögen.

Ich bin Caro, die sich mit Stimmphysiologie und Körperarbeit beschäftigt, er bereitet sich für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vor. Irgendwie fühle ich mich seltsam Zuhause, wenn er mir von seinen Träumen erzählt. Er war lange Zeit in Schweden, er reist gerne, er ist ein großer Fan von Satie. Das Stück, dass er gerade übt heißt Syrinx. Peter Pan … 

 

„Spiel nochmal für mich“, sage ich und lasse mich neben ihm auf dem Baumstamm nieder, der gerade genug Platz für zwei Menschen bietet. Wieder erfüllen Klänge diesen endlosen Raum um uns herum. Ich stimme mich ein auf das, was er mir mit seiner Musik sagen möchte.

 

„Ich spüre intuitiv, wo Klang und Körper miteinander verbunden sind und kann dir Impulse geben, Spannungen zu lösen. Es geht um Balance. Es geht um Wahrnehmung. Darum, dich selbst zu spüren und achtsam mit dir umzugehen.“

Neugierig sieht er mich an, während ich versuche, das in Worte zu fassen, was ich tue und wie ich es tue. Letztendlich werde ich es nie völlig erklären können, die Sache an sich ist auch ein großes Geheimnis. Doch ich sehe in seinem Blick, dass er wieder Kind geworden ist und wie auch ich mit jeder Sekunde jünger werden. Wir lassen die Erwachsenenseelen für einen Augenblick hinter uns. Es ist ohnehin alles nur ein Traum. Wir beide, der Mond, das überflutete Ufer, zwei Fremde, auf magische Weise verbunden auf dieser kleinen Insel inmitten des Waldes.

 

Er holt tief Luft, als würde es ihm schwer fallen, es zuzugeben. „Es gibt da eine Spannung im Hals, wenn ich Flöte spiele. Irgendwie kriege ich die nicht weg. Kannst du da was machen?“

Ich muss lächeln. Er hat sich mir geöffnet. Er vertraut mir. Und wir beide sind neugierig, was geschehen wird. Kann ich ihm helfen? Oder ist es vielmehr etwas, das durch mich hindurch wirkt? Es spielt keine Rolle, denn er und ich, wir sind nur zwei Forscher. Es gibt nichts zu verlieren.

 

Fast mühelos gleiten seine Finger über die Ringklappen seines anmutigen Instruments. Ich klinke mich in den Klang ein, spüre in meinem Körper, was in ihm vorgehen könnte. Mein Körper spiegelt seinen Körper. Ich nehme die sehr starke Präsenz im vordern Bereich wahr.

„Nimm deine Aufmerksamkeit zurück und konzentriere dich auf den Bereich hinter dir, statt auf den Bereich vor dir.“

Erst ist etwas skeptisch, denn das ist ein ungewohnter Gedanke. Wir schauen immer nach vorne, nicht zurück. Wozu soll das gut sein? Doch der Klang reagiert sofort, wird voller, räumlicher. Die Schwingung berührt mich und ich sauge sie in mich auf, als wäre sie ein Teil von mir, den ich einst verloren hatte. Etwas in mir hat Feuer gefangen. Es funktioniert! Wir befinden uns im Dialog, ich spüre die Verbindung sehr deutlich. 

 

Als nächstes lege ich meine Hände vorsichtig auf seine Schultern. „Kannst du an dieser Stelle loslassen?“ Seine Schultern senken sich ein Stück und er seufzt. „Das tut gut. Es ist, als ob eine große Last von mir abfällt.“ Auch das macht sich gleich im Klang bemerkbar und ich bekomme eine Gänsehaut. Der Klang ist ein sehr feiner Indikator für Körperspannungen. Wir sind eben das Instrument, die Summe aus Körper, Geist und Seele. Alles ist miteinander verwoben, fließt zusammen.

Die Zeit verfliegt und wir experimentieren gemeinsam, suchen nach Wegen, die zuvor noch niemand gegangen ist.

 

„Das ist unglaublich, was du machst, das solltest du professionell anbieten, soviele Menschen könnten davon profitieren!“, sprudelt es schließlich aus ihm heraus. Ich bin ehrlich gerührt über sein Feedback und spüre, wie es mein Herz ein bisschen weiter macht. Wir verabschieden uns am Waldrand und ich bin merkwürdig beschwingt auf meinem Nachhauseweg. Ob wir uns wiedersehen werden ist ungewiss, aber ich fühle mich nicht, als ob ich etwas verloren hätte, sondern reich beschenkt.

 

Ich bin tief erfüllt, dass ich dabei sein durfte, wie eine große Verwandlung stattgefunden hat, von mir und von ihm. Ich dachte immer, ich bin eine Musikerin, aber ich bin mehr als das. Ich habe mich all die Zeit nur selbst begrenzt und jetzt bin ich dabei, in meine eigene Größe zu kommen. Der Fluss schweigt und die Zikaden zirpen. Ich spüre mein Herz schlagen und meine Wangen glühen. Ob das Liebe ist? Ja, ich spüre sehr deutlich die Liebe zu mir selbst. Die Liebe zu dem, was ich tue. Die Liebe für diesen Weg, dem ich mich widmen möchte. 

 


Waldpoesie


 

Heute morgen habe ich es anders gemacht als sonst. Ich bin drei Stunden im Wald herumgelaufen, habe neue Bereiche erkundet, bin tiefer hineingegangen als je zuvor. Es war wieder magisch, wie die letzten Tage in Lichtenberg. Es ist warm, so angenehm. Der Frühling bricht durch die Schale des Winters, sanft, aber bestimmt. Der Lichtenberger Wald, der so magisch ist und mich so tief zu mir selbst bringt, der ist auch in der Großstadt. Auch hier, in diesem Wald. Ich muss nicht erst weit weg reisen, um mich zu finden.

 

Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit. Für den Boden, der mich trägt. Für die Kleidung an meiner Haut, die mich wärmt. Für die Sonnenstrahlen, die mich kitzeln. Ein gelber Schmetterling fliegt vorbei und ich trage etwas von ihm in mir. Die Farbe seiner Flügel ist die Farbe an den Rändern meiner Schuhe. Details. Es entlockt mir ein Lächeln. Alles ist miteinander verwoben. Alle Dinge sind in mir und ich bin in allen Dingen. Wie habe ich all das so lange übersehen können? Es war direkt hier, immer da, wartete auf mich. Ich war einfach zu beschäftigt, hinzusehen. Doch es ist ok. Es ist nicht zu spät, denn jetzt bin ich hier. Alles was zählt. Jetzt.

 

Das ist auch mein Übealltag. Gehen, atmen. Spüren, sein. Ich kann nicht nur stundenlang proben und hart arbeiten. Dadurch brenne ich aus. Es gibt eine gute Balance aus tun und nicht tun. Die Leere ist genauso Teil meiner Praxis, wie das Spielen. So wie Klang und Pause untrennbar zusammen gehören. Klang und Stille.

 

Hier ist es laut, Vögel singen, ein Specht klopft unermüdlich an den Baum. Tock tock tock. Rhythmus. Die Natur ist schon voller Musik, es muss eigentlich nichts weiter hinzugefügt werden. Ich tue es trotzdem. Inmitten dieser perfekten Szene, zwischen Blumen, Flüssen und gebrochenen Baumstämmen singe ich meine Stücke, ohne begrenzenden Widerstand der Räume, in denen ich sonst singe. Mehr nach innen gekehrt, mich meinen inneren Räumen widmend. Ich gehe in Resonanz mit mir selbst und spüre was die Schwingung mit mir tut. Ich spüre mich selbst und bin dankbar dafür.

 

Vielleicht hätte ich nichts sagen müssen, weil der Ausdruck dieser Erfahrung jenseits der Worte liegt. Das Dao, das man ausdrücken kann, ist nicht das ewige Dao. Der Finger, der zum Mond zeigt, ist nicht der Mond. Dennoch, es ist einen Versuch Wert.

 


3.05.05

 

Alles Schöne was du je erlebt hast

Alles Gute das du kennst

Alles was du aufrichtig schätzt und liebst

Sammle es in deinem Herzen

Fühle es warm werden

Richte dieses Gefühl nach aussen

In die Welt

Und ich verspreche dir

Jeden Tag an dem du auf der Welt bist

Wird etwas gutes geschehen




Texte & Fotografien by Carolin Nobles



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