Waldpoesie


Heute ausnahmsweise mal kein Video, sondern ein Text. Und schöne bunte Bilder. Wie gefällt dir das "neue" Format?


Heute morgen habe ich es anders gemacht als sonst. Ich bin drei Stunden im Wald herumgelaufen, habe neue Bereiche erkundet, bin tiefer hineingegangen als je zuvor. Es war wieder magisch, wie die letzten Tage in Lichtenberg. Es ist warm, so angenehm. Der Frühling bricht durch die Schale des Winters, sanft, aber bestimmt. Der Lichtenberger Wald, der so magisch ist und mich so tief zu mir selbst bringt, der ist auch in der Großstadt. Auch hier, in diesem Wald. Ich muss nicht erst weit weg reisen, um mich zu finden.


Ich spüre eine tiefe Dankbarkeit. Für den Boden, der mich trägt. Für die Kleidung an meiner Haut, die mich wärmt. Für die Sonnenstrahlen, die mich kitzeln. Ein gelber Schmetterling fliegt vorbei und ich trage etwas von ihm in mir. Die Farbe seiner Flügel ist die Farbe an den Rändern meiner Schuhe. Details. Es entlockt mir ein Lächeln. Alles ist miteinander verwoben. Alle Dinge sind in mir und ich bin in allen Dingen. Wie habe ich all das so lange übersehen können? Es war direkt hier, immer da, wartete auf mich. Ich war einfach zu beschäftigt, hinzusehen. Doch es ist ok. Es ist nicht zu spät, denn jetzt bin ich hier. Alles was zählt. Jetzt.

 

Das ist auch mein Übealltag. Gehen, atmen. Spüren, sein. Ich kann nicht nur stundenlang proben und hart arbeiten. Dadurch brenne ich aus. Es gibt eine gute Balance aus tun und nicht tun. Die Leere ist genauso Teil meiner Praxis, wie das Spielen. So wie Klang und Pause untrennbar zusammen gehören. Klang und Stille.

 

Hier ist es laut, Vögel singen, ein Specht klopft unermüdlich an den Baum. Tock tock tock. Rhythmus. Die Natur ist schon voller Musik, es muss eigentlich nichts weiter hinzugefügt werden. Ich tue es trotzdem. Inmitten dieser perfekten Szene, zwischen Blumen, Flüssen und gebrochenen Baumstämmen singe ich meine Stücke, ohne begrenzenden Widerstand der Räume, in denen ich sonst singe. Mehr nach innen gekehrt, mich meinen inneren Räumen widmend. Ich gehe in Resonanz mit mir selbst und spüre was die Schwingung mit mir tut. Ich spüre mich selbst und bin dankbar dafür.

 

Vielleicht hätte ich nichts sagen müssen, weil der Ausdruck dieser Erfahrung jenseits der Worte liegt. Das Dao, das man ausdrücken kann, ist nicht das ewige Dao. Der Finger, der zum Mond zeigt, ist nicht der Mond. Dennoch, es ist einen Versuch Wert.

 


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Comments: 1
  • #1

    Caro (Friday, 29 May 2015 11:17)

    Liebe Caro,

    ich freue mich sehr, Deine Seite entdeckt zu haben. Nachdem ich viele Jahre lang Chorsänger war und "klassischen" Instrumentalunterricht hatte, beginnt für mich gerade eine Zeit des Umbruchs. Ich bin auf der Suche nach meinem "Seelenklang", nach meiner ganz authentischen, eigenen Stimme, frei von Leistungsansprüchen und "immer schön und richtig" sein wollen. Ich sehne mich danach, mich im Gesang, im Musizieren mehr zu spüren, ohne Anstrengung. Du schreibst es so schön: "Mehr nach innen gekehrt, mich meinen inneren Räumen widmend. Ich gehe in Resonanz mit mir selbst und spüre was die Schwingung mit mir tut. Ich spüre mich selbst..." Ja, genau das suche ich.... Denn die Sache mit den Stimmproblemen kenne ich auch - im letzten Jahr hatte ich daraufhin einige Zeit Gesangsunterricht, der mich allerdings noch viel "verkopfter" gemacht hat, durch das ständige Fokussieren auf die richtige Technik habe ich irgendwie die Freude am "einfach nur singen" verloren... Auf Deiner Seite zu stöbern gibt mir gerade viel Inspiration und Zuversicht, dass auch ich dahin finden kann. Vielen Dank!

    Herzlich,
    Caro

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Carolin Nobles, Singer & Sound Healer

113 Duncan Terrace,

Wellington 6022, New Zealand

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